Hörprobe von 'Chronotop' abspielen

Chronotop

Ambisonic Tape
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Der Titel Chronotop knüpft eine Verbindung zwischen Zeit und Ort. Angeregt durch einen einzelnen Impuls, setzt ein Feedbackkreislauf die Entfaltung unterschiedlichster Klangmuster in Bewegung. Derer zeitlicher und klanglicher Verlauf wird durch die verschiedensten Parameter im Zeit- und Amplitudenbereich gesteuert. Die Klangorte werden innerhalb eines zwölfflächigen Raumes auf 20 Kanälen wiedergegeben. Die Bewegungen der Klänge im dreidimensionalen Raum basieren auf einer einfachen Rotationsbewegung im Kreis, die die Figur der Feedbackschleife räumlich imitiert. Dieses dominante Muster wird vielseitig aufgesplittet und aufgelöst. In Analogie zur komplexen Zirkulation der Klänge innerhalb einer Vielzahl miteinander verbundener Feedbackschleifen, gibt es auch eine Vielzahl unterschiedlicher Rotationsbewegungen im Raum. Diese werden in ihren Richtungen, Geschwindigkeiten und Dauern mehrfach variiert. Sie verstärken sich in ihrer Wirkung gegenseitig oder schwächen sich ab und geben den Klangmustern eine unterschiedliche Präsenz. Erst diese räumlichen Bewegungsmuster geben auch dem klanglichen Verlauf seine endgültige Form.

Die Abgeschlossenheit des Feedbackkreislaufs findet im abgeschlossenen Raum des Dodekaeders seine Entsprechung. Sowohl zeitlich als auch räumlich wird auf diese Weise Vernetzbarkeit innerhalb eines in-sich-geschlossenen Kreislaufs thematisiert. Durch die Vielzahl der Feedbackschleifen ist die Entwicklung der Klangmuster quasi nicht planbar und noch weniger durch Eingriffe steuerbar. Die einzig vorhersehbare Eigenschaft ist das Eintreten eines statisch pulsierenden Zustandes nach einer gewissen Zeit, das Einpendeln eines konstanten Gleichgewichts. Dieses Gleichgewicht entweder hinauszuzögern, zu verhindern oder nach dem eigenen Willen zu formen ist die wesentliche Herausforderung in der Arbeit mit Feedbacknetzwerken.

Ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein, sind wir permanent in Netzwerke eingebunden. Unsere eigene Perspektive erlaubt es nicht, das ganze Netzwerk überblicken zu können. Wir können mit einzelnen Mechanismen eingreifen, doch nie das ganze nach unserem Willen steuern. Ein selbst aus der Einzelperspektive wahrgenommenes Agieren, ist aus der Draufsicht letztlich nur eine Reaktion auf etwas Vorangegangenes. Genau diese Erfahrung wird bei der Arbeit mit den Feedbacknetzwerken thematisiert. Sie wirft einerseits die Frage auf, an welcher Stelle die Grenze zwischen Aktion und Reaktion zu ziehen ist. Gleichzeitig zeigt sie die Schwierigkeit und Unmöglichkeit, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, an welcher Stelle im System der Eingriff oder die Manipulation der Parameter gezielt erfolgen muss, um die Entwicklung der Klangmuster auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu beeinflussen.

ICMC Athen

14.9. – 20.9.2014

National Museum of Contemporary Art, Athen

 

 

soundscape in motion

eine Klanginstallation für 8 Transportkisten
soundscape 2 soundscape 3 soundscape 1
 
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Die Wahrnehmung vom Klang im Alltag ist geprägt von der Einteilung der Geräusche in eine Skala, die von sehr dominant bis zur völligen Ausblendung reicht. So entsteht der Eindruck einer klanglichen Hierarchie. Das akustische Panorama gliedert sich in einen akustischen Vorder- und Hintergrund. Geräusche, die uns zur Orientierung dienen, Signale, die uns warnen, lauter und naher Lärm, dem wir uns nicht entziehen können, werden als vordergründig wahrgenommen und treten sehr deutlich in unser Bewusstsein. Das Grundrauschen, Geräusche, die zur Orientierung und Warnung nicht nötig sind und leiser, entfernter Lärm werden in den Hintergrund unserer Wahrnehmung verdrängt.  
 
In der Installation thematisierte ich einerseits diese Hierarchie der Klänge im akustischen Panorama. Andererseits gaben die Herausgehobenheit des Ortes, die räumliche Ausdehnung der Terrasse und der Aufbau einer Kisten- und Containerlandschaft die Anregung, den Platz nicht als Tribüne, aber als eine Riesenbühne im öffentlichen Raum zu begreifen. Lautsprecher, die in acht Holzkisten über der Terrasse verteilt waren, verbreiteten die Klangbewegungen auf dem gesamten Platz. Auf diese Weise wurde das Thema der Wahrnehmung der akustischen Ereignisse und ihre Transformation in eine musikalische Gestalt mit einer Raumkomposition verknüpft.
 
Karin Wetzel

Ausstellung „Blicklandschaften“
der Professur für Landschaftsarchitektur Christophe Girot der ETH
in Zusammenarbeit mit dem ICST und dem Physikdepartment der ETH
15.5. – 28.5.2010 auf der Polyterrasse, ETH Zürich
Ausstellungsgestaltung: Nadine Schütz
www.girot.arch.ethz.ch